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25.10.2016

Der EU ganz nah

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Wer einen Teil seines Referendariats in einer Brüsseler Kanzlei absolvieren will, kann sich zwischen Anwalts- und Wahlstation entscheiden. Die Sozietäten vor Ort versprechen vor allem internationales Flair und Tätigkeiten im Kartell- und Europarecht. Doch auch fernab des Kanzleialltags hat die EU-Hauptstadt einiges zu bieten.

 Von Daniel Lehmann

 Nach rund einem Jahr stand er wieder auf der Matte. Die Arbeit, die Kanzlei und nicht zuletzt die Stadt hatten Jan Lang so gut gefallen, dass er im Juli 2015 als Associate im Brüsseler Büro von Noerr anheuerte – eine Rückkehr in vertraute Gefilde.

Jan Lang von Noerr: Brüssel war die erste Wahl.

Jan Lang von Noerr: Brüssel war die erste Wahl.

Kurz nach Eröffnung des noch recht jungen Standorts der deutschen Großkanzlei war Lang von April bis Juni 2014 der erste Referendar vor Ort. Schon während des Studiums an der Universität Bayreuth hatte sich der heute 31-Jährige mit den Themen Europa- und Kartellrecht auseinandergesetzt. Vorher hatte er Noerr bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Berlin kennengelernt. „Die Kanzlei und der Standort Brüssel waren deshalb die erste Wahl für mich“, sagt Lang.

Zwar wird auch die Arbeit im Datenschutz und in regulierten Branchen wie Pharma und Gesundheit für die Sozietäten in der EU-Hauptstadt immer wichtiger. Dennoch bestimmen Europäisches Recht und internationales Kartellrecht nach wie vor das Gros der Mandate im Brüsseler Kanzleimarkt. Obligatorisch sind Vorkenntnisse in den Rechtsgebieten für Referendare allerdings nicht.

Wahlstation in Brüssel

Im Gegensatz zu Noerr-Associate Lang hatte Martina Stasch vor ihrem Referendariat bei Luther keinerlei Berührungspunkte zum Kartellrecht. Nach Stationen bei Großkanzleien in Düsseldorf und London entschied sich die 29-Jährige im Sommer 2015, ihre Wahlstation in Brüssel zu absolvieren – vor allen Dingen um sich intensiv mit kartellrechtlichen Fragen auseinanderzusetzen.

Rückkehr nach Brüssel: Die Stadt hat Martina Stasch überzeugt.

Rückkehr nach Brüssel: Die Stadt hat Martina Stasch überzeugt.

Auch sie hat sich nach Referendariat und mündlicher Prüfung entschieden, nach Brüssel zurückzukehren. Heute ist Stasch Associate bei Luther. „Schon als Referendarin haben mich die Partner eng in die Mandatsarbeit einbezogen“, erinnert sie sich. Besuche vor europäischen Gerichten, Termine bei der EU-Kommission: „Die Nähe zu den europäischen Institutionen macht den besonderen Reiz des Brüsseler Standorts aus“, sagt Stasch.

Grenzüberschreitende Arbeit

Auch Referendare kommen in der belgischen Hauptstadt in den Genuss, dem politischen und juristischen Alltagsbetrieb, den europäische Regierung und Co. zu bieten haben, auf den Zahn zu fühlen. „Für uns ist es selbstverständlich, unsere Referendare regelmäßig zu den europäischen Gerichten in Luxemburg sowie zur EU-Kommission mitzunehmen“, sagt Prof. Dr. Robin van der Hout von Kapellmann und Partner, der sich seit mehr als zehn Jahren als Anwalt auf dem Brüsseler Parkett bewegt. Seit 2009 ist der 42-Jährige bei der Kanzlei, seit 2013 als Partner. Die prozessorientierte Praxis arbeitet kartellrechtlich eng mit den Kapellmann-Büros in Deutschland zusammen. Grenzüberschreitende Arbeit sei deshalb auch Alltag eines Brüsseler Referendars, erklärt van der Hout.

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