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01.06.2016

Signalwirkung: Hengeler stockt Associategehälter deutlich auf

Hengeler Mueller erhöht die Gehälter ihrer Associates zum Juli deutlich. Berufseinsteiger, die einen LL.M.-Titel mitbringen, bekommen statt 105.000 nun 120.000 Euro, ohne den Titel sind es 110.000 Euro. Bis zum sechsten Berufsjahr steigt das Jahresgehalt auf 185.000 Euro. Die Änderungen dürften auch für andere Top-Kanzleien Signalwirkung haben.

Hengeler hält strikt am Associate-Lockstep mit festen Gehaltsschritten nach Dienstalter fest und bezahlt weiterhin keine Boni. Im zweiten Berufsjahr erhalten alle Associates einheitlich 120.000, im dritten Jahr 130.000 Euro. In den Folgejahren werden die Sprünge größer, das Gehalt steigt auf 145.000 Euro im vierten, 165.000 im fünften und 185.000 Euro im sechsten Jahr.

Die neuen Zahlen gelten nicht nur für Associates, die ab Juli bei Hengeler anfangen, sondern auch für die Bestandsmannschaft. „Mit der neuen Vergütungsstruktur wollen wir unseren Associates ein angemessenes und stimmiges Angebot machen, und es ist nur ein Baustein von vielen. Es geht um Wertschätzung und Anerkennung für die tolle gemeinsame Arbeit”, sagte Dr. Astrid Arndt, Leiterin Personalentwicklung und Recruiting bei Hengeler.

Zum letzten Mal hatte Hengeler die Associategehälter Ende 2007 erhöht. Seit 2011 zogen insbesondere die US-Kanzleien in Deutschland mit Geboten bis 125.000 Euro für Berufsanfänger davon. Spitzenreiter im Markt ist nach wie vor Sullivan & Cromwell, die weltweit einheitlich 160.000 US-Dollar (derzeit etwas über 140.000 Euro) bezahlt.

Startschuss für neues Wettbieten?

In den vergangenen Jahren gab es in der Gehälterlandschaft relativ wenig Bewegung. Die Spitzengruppe der Kanzleien, die deutlich über 100.000 Euro Einstiegsgehalt bieten, bestand bisher vor allem aus stark fokussierten, internationalen Sozietäten, die an ihren deutschen Standorten alljährlich nur eine Handvoll Associatestellen neu besetzen. Die bislang größte unter diesen Kanzleien ist Latham & Watkins, die im Jahr rund 30 Berufsanfänger einstellt und ihr Gebot im vergangenen Herbst auf 110.000 Euro erhöhte.

Im Kreis der größeren Kanzleien mit jährlich zwischen 50 und 100 Neueinstellungen, darunter Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Gleiss Lutz und Linklaters, gelten dagegen seit Jahren 100.000 Euro als Maß aller Dinge, wobei dort meist zusätzliche Boni bezahlt werden. Dass Hengeler nun deutlich mehr Geld bietet, dürfte die Vergütungsstrukturen in diesem Marktsegment wieder in Bewegung bringen. In London hatte Freshfields erst vor Kurzem kräftig an der Gehaltsschraube gedreht. (Norbert Parzinger)

Wie viel Associates in mehr als 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld