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20.05.2016

Spezialisierung: Zwei Ansätze für Steuerrecht

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Wer sich schon im Studium auf Steuerfragen spezialisieren will, sollte sich nicht nur an den juristischen Lehrstühlen orientieren.

VON TILL MANSMANN

Das Steuerrecht führt an deutschen Universitäten ein Nischendasein: Lehrstühle, die sich speziell mit ­Besteuerung beschäftigen, sind rar gesät. Das gilt gleichermaßen für die juristische wie betriebswirtschaft­liche Steuerlehre. Prof. Dr. Johanna Hey, Lehrstuhlinhaberin an der ­Juristischen Fakultät in Köln, bedauert das: „Eine qualifizierte Steuerrechtsausbildung gibt es leider nur an verhältnismäßig wenig Univer­sitäten in Deutschland. Aber dort, wo eigenständige steuerrechtliche Schwerpunktausbildungen angeboten werden, ist die Ausbildung in der Regel sehr gut.“

Gut 30 Spezialisten

Hey sieht bei der Frage, ob die Persönlichkeit der Hochschullehrer oder die Struktur die größte Bedeutung für die Qualität haben, den Schwerpunkt bei den Personen: „Die universitären Strukturen sind nur insofern relevant, als es darauf ankommt, ob sich eine Fakultät ­einen reinen Steuerrechtler ‚leisten kann‘. Es reicht eben in der Regel nicht aus, wenn das Steuerrecht von einem Kollegen nebenher mit zwei oder vier Semesterwochenstunden Lehrleistung betrieben wird.“

Nur an vergleichsweise wenigen Hochschulen können sich die ­Akademiker voll auf das Steuerrecht konzentrieren. Wie überschaubar die wissenschaftliche Community der Steuerjuristen etwa ist, schätzt die Osnabrücker Professorin Dr. Heike Jochum so ein: „In Deutschland sind gut 30 Steuerrechtswissenschaftler aktiv, die in einem ganz regen ­wissenschaftlichen Austausch stehen. Auf Vortragsveranstaltungen oder im Rahmen von Veröffent­lichungen wird kritisch diskutiert und um neue Erkenntnisse gerungen.“

Neue Besetzungen

Allerdings wird dieser Kreis ­dauernd durchmischt: 2014 hat Prof. Dr. Hanno Kube aus Mainz die Nachfolge von Paul Kirchhof auf dem Lehrstuhl in Heidelberg angetreten. In Düsseldorf ist der Lehrstuhl gerade vakant, weil Prof. Dr. Klaus-Dieter Drüen einen Ruf nach München angenommen hat und im Oktober ist Prof. Dr. Arndt Schmehl, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht der Universität Hamburg, verstorben.

Nicht nur Juristen untersuchen steuerliche Fragestellungen. Für die betriebswirtschaftliche Steuerlehre gibt es allerdings andere Rahmen­bedingungen. Das fängt bei den Abschlüssen an: Die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge sind fast vollständig auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Auch bei der Berufung von Professoren ist das Vorgehen unterschiedlich.

Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften, und damit auch der betriebswirtschaft­lichen Steuerlehre, werden Professoren oft nach der Anzahl der Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften ausgewählt. Gerankt wird dabei primär das Medium, in dem veröffentlicht wurde: Internationale Fachzeitschriften erzielen deutlich mehr Punkte als deutsche. Qualitativ hochwertige Forschung zu Fragen des deutschen Steuer- oder Bilanzrechts wird hierdurch systematisch benachteiligt. Das schränkt die fachlich sinnvolle Verknüpfung rechtlicher und wirtschaftlicher Fragen ein, betriebswirtschaftlich relevante Steuerfragen mit Bezug zum deutschen Recht geraten ins Hintertreffen.

BWL-Steuerlehre beachten

Für Studenten mit Interesse am Steuerrecht sei trotzdem entscheidend, dass sie eine Universität auswählen, die ein reichhaltiges steuerrechtliches Programm anbietet, findet die Kölner Professorin Hey: „Nach Möglichkeit mit vielen unterschiedlichen Lehrenden, am besten sowohl von der juristischen als auch von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.“ –

Einen ausführlichen Beitrag zum ­Steuerrecht an deutschen Universitäten finden Sie im Steuer­berater-Magazin, Ausgabe 1/2 2016.