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20.05.2016

So planen die Rechtsabteilungen

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Die Juristen in Unternehmen gewinnen an Bedeutung – und sie sind gefordert wie nie zuvor. Die Themen Compliance und Risikobewertung können den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens ausmachen. Das betrifft nicht nur die großen Konzerne wie Volkswagen oder Deutsche Bank, die lange die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse gefüllt haben, sondern alle Firmen. Gremien wie Aufsichtsrat, Vorstand oder Geschäftsführung haben hohen internen Beratungsbedarf. Umso wichtiger, dass die Syndizi wachsam sind.

Wachsam und effizient – denn nach Belieben wachsen können die Rechtsabteilungen nicht, wie eine JUVE-Umfrage ergab. Auch mit der Einstellung neuer, hoch qualifizierter Juristen kann der steigende Arbeitsanfall nicht kompensiert werden. „Die überbordende Regulierung macht eine wissenschaftliche Durchdringung in der Tagesarbeit immer schwieriger“, so der Chefjurist eines Unternehmens der Finanzbranche. „Zeitdruck und Zwang zur Kürze sind zwar nicht generell negativ, im aktuellen Ausmaß ist die Qualität der Arbeit jedoch mitunter bedroht.“ Zur Kostenkontrolle müssen die Inhousejuristen auch ein intensiveres Management von Kanzleien betreiben – so wie die Lufthansa, die eigens einen ‚Legal Spend Manager‘ damit beauftragt hat (siehe azur 2/2015).

Manager für Rechtsfragen

Insgesamt haben die Rechtsabteilungen seit der Jahrtausendwende einen gewaltigen Wandel durchlebt. Früher waren sie als juristischer Stab verstanden worden, der rechtliche Entwicklungen beobachtet, bewertet und die Erkenntnisse dann an die jeweiligen Ansprechpartner im Unternehmen weiterträgt. Diese traditionelle und eher passive Rolle ist heute höchstens noch bei Verbänden zu finden. Mittlerweile agieren die Unternehmensjuristen als Manager für Rechtsfragen. Sie beraten ihre operativen Kollegen und die Geschäftsführung wie Anwälte in allen juristischen Fragen. Junge Talente aus Kanzleien, die mit einigen Jahren Berufserfahrung in die Rechtsabteilungen wechseln, haben zu diesem Selbstverständnis viel beigetragen. „Wir agieren wie ein externer Dienstleister, aber zu günstigeren Preisen“, sagt ein Chefjurist. „Das geht soweit, dass wir quasi im Unternehmen Mandate akquirieren.“ Das Alltagsgeschäft erledigt das Rechts­team in diesem Modell am liebsten selbst, externe Kanzleien werden seltener mandatiert.

Die Banken, Versicherer und die Immobilienbranche zeichnet eine Besonderheit aus. Teilnehmer der JUVE-Umfrage aus den Unternehmen dieses Sektors sehen sich als Teil der Wertschöpfungskette und befassen sich mit der Entwicklung von Vertragsprodukten zum Verkauf an den Endkunden. So agieren die Unternehmensjuristen hier manchmal wie Produktmanager, wie der General Counsel eines Finanzdienstleisters erklärt: „Wir sehen uns nicht als Rechtsabteilung, sondern als rechtliche Kaufleute, die Verträge durch die juristische Brille sehen.“  

Hohe Arbeitslast

Der Abstand von diesem Rollenbild zu dem eines Risikomanagers ist denkbar groß. Und doch legen immer mehr Unternehmen Wert darauf, dass die Juristen in alle Prozesse eingebunden werden, um Risiken zu erkennen und Gefahren zu bekämpfen, bevor sie entstehen. Allerdings steht dann das mühsam aufgebaute Image eines internen Dienstleisters auf dem Spiel – und aus den Syndizi könnten wieder die ewigen Neinsager werden, als die sie früher einmal verschrien ­waren.

Wenn die internen Reserven irgendwann erschöpft sind, drängen sich zwei gegenläufige Lösungen auf: Entweder stocken die Unternehmen die Inhouseteams auf und optimieren die Arbeitsabläufe weiter oder sie verlagern mehr Arbeit nach außen. Letzteres übrigens sehr zur Freude von Kanzleien, die mit moderaten Stundensätzen, breitem Angebot und ausreichend Associates ausgestattet sind. Kurz: größere deutsche Kanzleien mit und ohne internationale Anbindung.

Deutlich häufiger als durch den Einsatz von Kanzleien begegnen Unternehmensjuristen den gestiegenen Ansprüchen und dem wachsenden Arbeitsanfall aber mit einer anderen Maßnahme: Sie arbeiten mehr. „Mach es selbst, wenn du willst, dass es gut gemacht wird“, bringt der Chefjurist eines größeren Unternehmens seine Erfahrungen auf den Punkt.

Neben der Qualitätssicherung ist diese Taktik auch deshalb gut, weil die Arbeit eines Unternehmensjuristen billiger ist als die eines Kanzleianwalts: Der sogenannte interne Stundensatz liegt im Durchschnitt bei 122 Euro. Für dieses Honorar arbeitet keine Wirtschaftskanzlei. (Astrid Jatzkowski, Antje Neumann, Christin Nünemann, Markus Lembeck)