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20.05.2016

Kommentar: Verwöhnte Referendare?

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

15.000 Rechtsreferendare liegen den Bundesländern auf der Tasche – mindestens 200 Millionen Euro dürfte ihre Unterhaltsbeihilfe pro Jahr kosten. Und dann gehen die feinen Damen und Herren auch noch hin und greifen bei den Wirtschaftskanzleien Zusatzverdienste ab, die in die Tausende gehen, obwohl sie bei diesen Arbeitgebern wenig später als Anwälte ohnehin exzellent verdienen können.

Das klingt ungerecht. Dabei ist die Zusatzvergütung kein Taschengeld, sondern entspricht speziell bei den Spitzenzahlern einer echten Leistung. Viel Geld in der Anwaltsstation bedeutet auch viel Arbeit. Und weil die Unterhaltsbeihilfe gerade in den Kanzleimetropolen wie Frankfurt und München nur so eben die Lebenshaltungskosten abdeckt, ist das Extrageld der Kanzleien für die meisten Referendare kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Gerade die deutschen Justizbehörden sind sorg- und konkurrenzlose Abnehmer derjenigen Juristen, die sich in den zwei Staatsprüfungen mit einem Doppelprädikat durchsetzen können. Für die Prüfungszeit brauchen die Referendare aber Zeit und teure Lernmaterialien. Es spricht vieles dafür, dass die kurz­atmigen Regulierer, die Zusatzverdienste rigoros verbieten, eigentlich ein Interesse daran haben sollten, dem Nachwuchs seinen finanziellen Spielraum zu lassen. (Markus Lembeck)

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