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20.05.2016

LL.M. Down Under: Fortbildung im Urlaubsparadies

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Australien und Neuseeland haftet der Ruf an, eher freizeit­orientierte LL.M.-Studenten anzuziehen. Dabei gibt es ­zumindest für Juristen, die sowohl am Common Law als auch am asiatischen Wirtschaftsraum interessiert sind, kaum ein besseres Ziel.

VON KATJA GERSEMANN

Ja, sie stimmen alle, die Klischees über Australien. Die Strände sind kilo­meterlang, die Landschaften prächtig und die Einheimischen aufgeschlossen und feierfreudig. „Viele denken deshalb, ein LL.M.-Studium in Australien sei ein Urlaubs-LL.M.“, sagt Sarah Ponti, die derzeit ihren Master an der University of Melbourne absolviert. „Ich musste mich schon häufig rechtfertigen, warum ich ausgerechnet in Australien den Abschluss mache.“ Dabei sei von Urlaubsfeeling während des Semesters keine Rede. „Das Gegenteil ist der Fall: Das Lernpensum hier ist sehr hoch“, erzählt die 29-Jährige. Einen 2.000-Seiten-Katalog arbeitet Ponti vor jedem Intensivkurs durch, acht davon hat sie in ihren beiden Semestern besucht. Nach jedem Kursus steht ein Aufsatz mit rund 10.000 Zeichen an oder eine Klausur.

Überzeugt von Down Under: Sarah Ponti.

Überzeugt von Down Under: Sarah Ponti.

Skepsis schlägt LL.M.-Studenten nicht nur deswegen entgegen, weil sie für ihr Auslandsjahr so eine tolle Destination gewählt haben. Das Image der Universitäten in Down Under leidet auch, weil sie sich in den meisten weltweiten Hochschul-Rankings nicht auf den vorderen Plätzen wiederfinden. Doch der LL.M. an einer vermeintlichen Spitzenuni ist kein Muss für den späteren Erfolg im Anwaltsberuf. „Wir sehen grundsätzlich jeden LL.M. als wertvolle Zusatzqualifikation“, sagt Natascha Frankl, Co-Head of Human Resources Legal bei der Kanzlei Gleiss Lutz. „Sinnvoll ist es sicherlich, den Abschluss in einem englischsprachigen Land zu machen – das garantiert perfekte Englischkenntnisse.“ Australien und Neuseeland seien insoweit durchaus interessante Länder.

„Allerdings können sie bislang zumindest im Vergleich zu Großbritannien oder den USA nicht ganz so renommierte Universitäten vorweisen. Interessenten muss also bewusst sein, dass sie mit einem LL.M. aus diesen Ländern nicht unbedingt herausstechen“, betont Frankl. Hinzu kommt der unter Studenten verbreitete Ruf, dass an den Unis in Down Under so gut wie jeder unterkommt, der das erste Staatsexamen geschafft hat – unabhängig von der Note.

Asien ist ganz nah

Ein Karriereschub sieht wohl anders aus, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn ein Abschluss aus Australien und Neuseeland kann durchaus ein wichtiger Karrierebaustein sein – insbesondere für alle, die sich für internationales und speziell asiatisches Recht interessieren. Schließlich ist Australien aufgrund seiner starken Handelsbeziehungen sowohl zu Nordamerika und Europa als auch zu China, Japan und Süd­korea ein Tor zwischen Ost und West. Diese ­geografische Nähe zu zahlreichen wichtigen asiatischen Handels-, Finanz- und Wirtschaftsmetropolen lockt auch viele asiatische Studenten an die Universitäten. Die University of New South Wales in Sydney etwa bietet Kurse in chinesischem Handelsrecht an und das sogar auf Chinesisch.

„Ein Studium in Australien bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich mit dem asiatischen Handelsrecht vertraut zu machen“, berichtet Ponti, die den Schwerpunkt Internationales Handelsrecht gewählt hat. Es gebe ein großes Angebot an Lehrveranstaltungen und Literatur zum asiatischen Recht. Am Ende der beiden Semester fliegen Studenten also nicht nur mit soliden Kenntnissen des angelsächsischen Rechtskreises, sondern auch mit Einblicken in den asiatischen nach Hause.

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