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20.05.2016

Der Teamplayer

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Ein Beitrag aus azur 1/2016.

Konfrontation um jeden Preis gehört nicht zu seinen bevorzugten ­Verhandlungstaktiken. Arbeitnehmeranwalt Michael Schwegler hält mehr von konstruktiver Gesprächsatmosphäre. Das schätzen seine Mandanten – aber auch die Gegenseite.

VON LAURA BARTELS

„Außerordentlich lösungsorientiert“, „angenehm in Verhandlungen“ – das bescheinigen Mandanten Dr. Michael Schwegler, Partner der gleich­namigen Arbeitnehmerkanzlei. Mandanten der Gegenseite wohlgemerkt. So viel Lob ist in der ­Anwaltswelt eher selten – noch dazu im spannungsgeladenen Umfeld des Kollektivarbeitsrechts. Doch Schwegler hält wenig von Klischees. Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranwälte in die Schubladen „gut“ und „böse“ zu stecken, käme ihm nicht in den Sinn. Auch wenn seine Position schon zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn ziemlich klar war.

Michael Schwegler

Michael Schwegler

Gegen die eigene politische Überzeugung zu handeln, wäre für Schwegler nur schwer vorstellbar. „Wie überall im Leben ist man auch in seinem Job besser, wenn man mit dem Herzen bei der Sache ist“, sagt er. Sein Herz schlägt eindeutig für die Arbeitnehmer, und wie viele Berufskollegen vertritt der 38-Jährige die Ansicht, dass man sich aus Gründen der Glaubwürdigkeit für ein Lager entscheiden sollte. „Die Mandanten sehen das ähnlich. Einige haben sich auch aufgrund unserer klaren Positionierung im Markt für unsere Kanzlei entschieden“, sagt er. Schwegler ist Partner in der Kanzlei seines Vaters in Düsseldorf, die auf Arbeitnehmervertretung spezialisiert ist.

Wenn er für seine Mandanten ins Feld zieht, warten auf der Gegenseite häufig echte Schwergewichte. Als die Commerzbank Mitte 2013 ankündigte, massiv Stellen abzubauen, war es Schwegler, der bei den Verhandlungen eine zen­trale Rolle spielte. Und als der Wohnungsriese Vonovia die kleinere Konkurrentin Gagfah vor gut eineinhalb Jahren schluckte, stand er im Zuge des Integrationsprozesses den Betriebsräten der Gagfah zur Seite.

Freund der leisen Töne

Wie Schwegler die Interessen seiner Mandanten durchsetzt, hängt zwar stark vom Einzelfall ab, vom Verhandlungspartner und vom eigenen Mandanten. Doch wenn es in Verhandlungen mal laut wird, wäre das eher sein Mandant. Das sei authentischer, findet er. Um dessen unmittelbare Interessen gehe es schließlich, nicht um seine als Anwalt. Mit ein vernünftiger Umgangston gelange man leichter zu einem Ergebnis, mit dem alle Seiten leben können.

Obwohl sein Vater vor Gründung der eigenen Kanzlei Gewerkschafter war, hat das die Berufswahl seines Sohnes kaum beeinflusst. „Mit 16 ist mir zum ersten Mal der Gedanke gekommen, ­Jura zu studieren. Da war mein Vater noch gar nicht als Anwalt tätig“, erzählt Schwegler. Architekt stand ebenfalls zur Debatte. „Aber leider kann ich überhaupt nicht zeichnen“, sagt er. Bereut hat er die Entscheidung nie. Nach Studium und Referendariat in Köln und Auslandsaufenthalten an der Sorbonne in Paris und in Madrid stieg er 2010 bei seinem Vater ein. Für ihn keinesfalls ein vorgezeichneter Karriereweg. Doch Struktur und Arbeitsweise der väterlichen Einheit haben ihn überzeugt. „Wir sind nicht sehr hierarchisch strukturiert. Bei uns zählt vor allem Teamgeist“, sagt er.

Besonders ist aber nicht nur die interne Struktur: Während die meisten Arbeitnehmerkanzleien nur einen Standort haben oder sich zumindest auf eine Region konzentrieren, arbeitet Schwegler daran, eine bundesweite Kanzleimarke zu ent­wickeln. Es gibt Standorte in Köln, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Oldenburg – und mit mehr als 30 Anwälten ist sie deutlich größer als die klassische Arbeitnehmerkanzlei. Das wiederum erlaubt es den Anwälten, sich auf bestimmte Bereiche wie den Arbeitnehmerdatenschutz oder die Industrie- und Dienstleistungsbranche zu spezialisieren. Schwegler selbst berät vor allem zu Fragen des Betriebsverfassungs-, Personalvertretungs- und Tarifvertragsrechts.

Auch wenn er im Geschäft trotz seiner 38 ­Jahre mittlerweile fast ein alter Hase ist, empfindet er seine Arbeit nicht als Routine. Regelmäßig ­führen ihm Mandate vor Augen, dass es um mehr geht als um nackte Fakten. „Die Ängste, Bedürfnisse und Nöte der Menschen werden einem als Arbeitnehmeranwalt immer wieder bewusst vor Augen geführt“, sagt er. Kalt lässt ihn das nicht. Bei einigen seiner Mandanten geht es schließlich um nicht weniger als die wirtschaftliche Existenz.

Die menschliche Seite zählt

Feingefühl und Empathie für die Bedürfnisse der Mandanten sind deshalb etwas, was er bei den Associates seiner Kanzlei zwingend voraussetzt. „Die mensch­liche Seite bei dieser Arbeit auszublenden, halte ich für undenkbar und fachlich falsch“, sagt Schwegler ganz deutlich. Selbst wenn er nicht mehr jeden einzelnen Fall mit nach Hause nimmt, fällt es ihm auch nach mehreren Jahren im Beruf nicht immer leicht, die Bürotür nach Feierabend hinter sich zuzuziehen und komplett abzuschalten.
Wenn das nicht so ohne Weiteres gelingt, sucht Schwegler Ablenkung im Handball. Viele Jahre hat er aktiv gespielt, heute schaut er sich die Partien nur noch im Fernsehen an. Zu groß ist die Verletzungsgefahr. Besonders gefreut hat ihn da natürlich der Gewinn der Europameisterschaft zum Jahresbeginn. Und das mit einer Mannschaft, die zuvor niemand so wirklich auf dem Zettel hatte. Doch das Zauberwort hieß auch hier wieder: Teamgeist. –