© JUVE GmbH Köln
24.09.2013

EZB: Neue Bankenaufsicht schafft Arbeitsplätze für Juristen

Für die gemeinsame europäische Bankenaufsicht baut die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt einen neuen Zweig innerhalb der Rechtsabteilung auf und sucht dafür vor allem berufserfahrene Juristen.

Ausbau in Frankfurt: EZB-Juristin Chiara Zilioli sucht Aufsichtsrechtler.

„Die Aufsicht über einzelne Banken stellt eine vollkommen neue Aufgabe für die EZB dar, und wir benötigen dazu Juristen, die sich mit den jeweiligen nationalen Regelungen in aufsichtsrechtlichen Fragen auskennen“, sagte Chiara Zilioli, stellvertretende Generaldirektorin der EZB-Rechtsabteilung. Die neue Aufsichtseinheit soll 17 Juristen umfassen, die Stellenausschreibungen sind vorbereitet. Die EZB veröffentlicht sie im Laufe der nächsten Tage auf ihrer Internetseite unter http://www.ecb.europa.eu/ecb/jobs. Bis Herbst 2014 soll die EZB zusätzlich die Aufsicht über die rund 140 größten Banken der Euroländer übernehmen.

Qualifikation an erster Stelle

Aktuell arbeiten bereits rund 80 Juristen für die EZB in den Unterabteilungen Institutional Law, Financial Law und Legislation. Das Aufsichtsrecht wird als vierte Division ganz neu aufgebaut. Die fachliche Qualifikation steht bei der Besetzung der Positionen an erster Stelle. „Wir sind offen für Bewerbungen aus allen Richtungen. Allerdings suchen wir jetzt zu Beginn dieser neuen Aufgabe vor allem Leute mit Berufserfahrung, die sich mit dem jeweiligen nationalem Aufsichtsrecht der Euroländer auskennen“, so Zilioli. „Auch Bewerber aus Anwaltskanzleien sind natürlich willkommen, wenn sie eine intensive Beschäftigung mit Aufsichtsfragen nachweisen können.“

Unerlässlich ist außerdem eine gute Beherrschung der englischen Sprache. Gute Englischkenntnisse sind weniger selbstverständlich, als man denken könnte. Zahlreiche Nationalbanken, die bislang wenig grenzüberschreitende Berührungspunkte hatten, schulen jetzt ihre Beschäftigten in Englisch-Intensivkursen. Laut Zilioli gibt es bereits jetzt einen hohen Frauenanteil in der Rechtsabteilung der Europäischen Zentralbank. Das soll auch bei der Erweiterung so bleiben: „Unsere Stellen sind sehr interessant für Bewerber mit Familie. Die EZB bietet eine sehr hohe Flexibilität bei Arbeitszeiten, Teilzeitmodellen und Betreuungsangeboten.“

Für Stellenangebote registrieren

Zilioli empfiehlt Interessenten, sich auf der Karriere-Website der EZB zu registrieren und so immer die aktuellen Stellenveröffentlichungen per Mail zu erhalten. Speziell für Berufsanfänger gibt es ein fast schon elitäres Ausbildungsangebot, bei dem das Fach des absolvierten Studiums keine Rolle spielt. „Für Berufsanfänger bietet die EZB ein sehr gutes Graduiertenprogramm an. Wer das strenge Auswahlverfahren übersteht, bekommt eine zweijährige Ausbildung, die im Falle von Juristen auch immer ein Jahr in einer juristischen Position beinhaltet“, erklärt Zilioli. Bewerbungen für den nächsten Durchgang dieses Programms sind bis zum 31. Oktober möglich.

Im übrigen ist die Zentralbank nicht die einzige hochrangige EU-Institution, die hochqualifizierte Juristen sucht. Das neu zu errichtende Einheitliche Patentgericht (UPC, Unified Patent Court) hat am vergangenen Freitag die erste Ausschreibung für Richterinnen und Richter veröffentlicht: http://unified-patent-court.org/news Das UPC erwartet bis zum 15. November Bewerbungen aus den Mitgliedsländern. Es soll ab 2014 für Klagen gegen die Erteilung eines EU-Patents (Nichtigkeitsklagen) ebenso wie für Klagen gegen die Verletzung eines Patents zuständig sein. (Markus Lembeck)