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04.01.2013

Aufwärtstrend: Associategehälter steigen weiter – aber langsamer

Die Einstiegsgehälter für Associates in deutschen Wirtschaftskanzleien steigen weiter. Spitzenabsolventen können inzwischen bei über 30 Kanzleien im ersten Berufsjahr mindestens 100.000 Euro verdienen. Im Vergleich zum Vorjahr schwächte sich die Aufwärtstendenz aber deutlich ab.

Als bislang letzte Kanzlei hat White & Case das Festgehalt für Berufseinsteiger zum Jahreswechsel um 10.000 Euro auf 90.000 bis 100.000 Euro erhöht. In den darauf folgenden Berufsjahren steigt das Fixum nicht mehr strikt nach dem Lockstep-Prinzip, sondern stärker auch in Abhängigkeit von Leistung und Engagement des Einzelnen. Hinzu kommen wie bisher Boni, die bis zu 25 Prozent des Festgehalts erreichen können.

Erst im Herbst hatte Ashurst das maximale Einstiegsgehalt von 90.000 auf 100.000 Euro angehoben. Auch hier werden je nach persönlichem Einsatz und Geschäftsergebnis der Kanzlei zusätzlich Boni ausgeschüttet. Im gesamten Markt bieten damit inzwischen über 30 Wirtschaftskanzleien Einstiegsgehälter von 100.000 Euro und – zum Teil deutlich – mehr. An der Spitze der Tabelle liegt nach wie vor Milbank Tweed Hadley & McCloy mit 125.000 Euro.

Werbung mit hohem Gehalt

Auch unterhalb der 100.000-Euro-Schallmauer hat eine ganze Reihe von Kanzleien das Anfangsgehalt in den vergangenen Monaten um 5.000 Euro angehoben, darunter Olswang (bis 95.000 Euro), GSK Stockmann + Kollegen (bis 80.000 Euro) und Kümmerlein (bis 75.000 Euro).

Damit setzt sich eine Tendenz fort, die bereits 2010 eingeläutet wurde (mehr…): Um ihren nach wie vor großen Bedarf an hoch qualifizierten Berufseinsteigern decken zu können, werben die Kanzleien auch mit immer höheren Gehältern. Wie eine JUVE-Erhebung bei über 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland zeigt, können Bewerber mit Idealvoraussetzungen heute durchschnittlich mit knapp 73.000 Euro Einstiegsgehalt rechnen.

Der größte Schub ist allerdings schon wieder vorbei. Im Vergleich zum vergangenen Jahr legte das durchschnittliche Maximal-Fixum für Berufsanfänger nur noch um 1,5 Prozent zu. Im Vorjahr stiegen die Gehälter noch um gut fünf Prozent. Es macht sich nun bemerkbar, dass die Lücke zwischen Bedarf und Angebot an jungen Top-Juristen nicht mehr ganz so groß ist wie noch 2009 oder 2010.

Auf Dauer nur Verlierer?

Indessen sehen Kritiker in den Gehaltssteigerungen der vergangenen Jahre eine Entwicklung, von der längerfristig keine Seite profitieren dürfte. Mandanten sind seltener denn je dazu bereit, die gewohnten Associate-Stundensätze schon für die Arbeit von Berufsanfängern zu bezahlen. Gleichzeitig legen Absolventen zunehmend größeren Wert auf Work-Life-Balance und familienfreundliche Arbeitszeiten als auf den reinen Bruttolohn. Marktbeobachter stellen daher sowohl den Erfolg als auch die dauerhafte Finanzierbarkeit der heute gebotenen Gehälter in Frage.

Andererseits reagierten Associates und Bewerber sehr ungnädig, als eine Reihe von Kanzleien nach Ausbruch der Finanzkrise die ursprünglich vorgesehenen Gehaltssteigerungen ausgesetzt hatten (mehr…). Den entstandenen Imageschaden konnten einige Sozietäten nur langsam wieder ausgleichen.

In den USA behelfen sich die großen Wirtschaftskanzleien inzwischen anders, wie eine Untersuchung der NALP-Association for Legal Career Professionals zeigt: Statt die werbewirksamen Einstiegsgehälter für hoch qualifizierte Associates zu senken, engagieren sie verstärkt schlechter bezahlte “Staff Attorneys”. Folge dessen ist, dass das mittlere Einstiegsgehalt für amerikanische Absolventen im Verlauf der vergangenen Jahre gesunken ist (mehr…). (Norbert Parzinger)

 

Die aktuellen Gehälter für junge Juristen bei über 300 Kanzleien und anderen Arbeitgebern in Deutschland finden Sie in den azur-Gehaltstabellen.

Am 22. Februar erscheint die nächste Ausgabe von azur100 – Top-Arbeitgeber für Juristen.